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Süß, süßer, Sugar Rush!

Januar 8, 2013 in Psychologie von Mia Paulsen

ZuckeräffleAuch wenn der Blick aus dem Fenster etwas anderes erzählt, aber so langsam verabschiedet Tschö Plätzchensich der Winter und damit auch so einige der vergangenen Süßexperimente.

Ich begrüße das um so mehr, als dass das Thema Süßigkeiten ein Dauerbrenner sowohl in unseren Beratungsgruppen als auch in unseren Kursen ist: Unser Ziel – neben den individuellen Zielen der Einzelnen – ist es, unser Hungergefühl und unseren natürlichen Appetit wieder zu regulieren. Dazu gehört auch, oder vielleicht gerade, unser Süßempfinden ganz genau unter die Lupe zu nehmen.

Gelüste sind keine Laune der Natur – sie haben eine Aufgabe!

Wir wissen, dass eine Zufuhr von Kohlenhydraten eine mehr oder weniger starke Blutzuckerreaktion auslöst. Wie das genau abläuft, hat Steffen unter anderem hier ganz anschaulich erklärt. Diese chemischen Abläufe sind es, die für Heißhungerattacken und der schier unstillbaren Lust auf Süßes verantwortlich sind. Um diese Reaktionen zu vermeiden, wird deshalb oft zu Süßungsmitteln gegriffen, die nicht blutzuckerreaktiv sind.

Wieso bleibt der Süßhunger dennoch oftmals nicht aus? Für viele unerklärlich und darüberhinaus auch noch ärgerlich. Denn es gibt zwei Wege damit umzugehen: Entweder die Tapferkeit der rationierten Schokiportiönchen, verbunden mit einem ständigen Verzichtsgefühl, was auf Dauer weder satt noch befriedigt macht, oder Nachgiebigkeit mit x-verschiedenen Zuckerersatzstoffen, die diese Spirale immer weiter in die Höhe treibt.

Zunächst ist es wichtig zu wissen, dass es immer Phasen geben wird, in denen wir mehr oder weniger Lust auf Süßes haben. Das ist zum einen jahreszeitlich- zum anderen situationsbedingt; bei Frauen ist dies zudem erfahrungsgemäß an den Zyklus gekoppelt. Auch ist die Lust auf Süßes in direkter Verbindung zum eigenen Süßempfinden. Was für den einen gerade süß genug ist, empfindet die andere schon als totalen Overkill. Auch hier ist die persönliche Grenze sehr individuell.

Allerdings ist diese Toleranzschwelle bei den meisten Menschen viel zu hoch. Durch langjährige konventionelle Nahrung angereichert mit Süßstoffen, Geschmacksverstärkern und künstlichen, meist zu intensiv dosierten Aromen, ist unsere geschmackliche Wahrnehmung stark verfälscht. Unser Gehirn ist von diesem Überreiz dauerhaft überfordert und reagiert mit Dämpfung ebendieser Reize. Die Folge davon ist, dass es schlechter oder gar nicht mehr in der Lage ist, natürliche Geschmäcker als solche zu interpretieren und entsprechend auszuwerten. Und wie bei allen Reizen, die direkt auf das Belohnungszentrum im Gehirn wirken, muss auch dieser Reiz stetig erhöht werden, um noch denselben, wohltuenden Effekt zu erzielen. Und zwar unabhängig von der tatsächlichen, messbaren Süßkraft und ebenso unabhängig von der Blutzuckerreaktion. Eine Endlosspirale, die es zu durchbrechen gilt.

Die individuelle Toleranzschwelle will behutsam ausgelotet werden

Der einfachste Weg, diesen Kreislauf schnell und einigermaßen schmerzlos zu durchbrechen ist, einen klaren Schnitt zu machen.

GänsefüsschenWas? Wie? Ich dachte, bei La Vida LoCa sei alles erlaubt??

Ja, das ist es auch Keine Sorge! Natürlich dürft ihr alles essen, was ihr wollt. Und erst recht dürft ihr gesunde Süßigkeiten aus Mandeln, Kakao & Co essen, sie stehen ja auf keinem Index. Und natürlich dürft ihr auch Süßungsmittel verwenden.

Allerdings ist es eine wichtige und eindrückliche Erfahrung, den „Süßhunger“ einfach mal auszusitzen. Süßhunger kann verschiedene Ursachen haben. Zum einen – und das ist im besten Fall so – weist dieser Appetit auf einen ganz bestimmten Bedarf hin, der gedeckt werden soll. Zum anderen – und das ist leider weitaus häufiger der Fall – zeigt der Süßhunger ganz andere Dinge an. Der Entzug von Kohlenhydrate kann ein Grund sein. Oder auch ganz direkt der Zuckerentzug, denn es gibt durchaus so etwas wie eine Zuckersucht. Weitere Gründe können emotionaler Hunger oder auch einfach Langeweile sein, oder, oder, oder!

Um herauszufinden, wonach uns wirklich hungert, ist es jedoch wichtig, dass sich die eigene Wahrnehmung wieder normalisiert. Das bedeutet eben auch manchmal, nicht jedem Bedürfnis nachzugeben. Denn es gibt einen Unterschied zwischen Bedürfnis und Bedarf! Und das ist ganz, ganz wichtig.

Gib dem Affen (keinen) Zucker

Äffle Füttert ihr das Zuckeräffchen in euren Köpfen aber weiter, damit es still ist – und da spielt es überhaupt keine Geige, um welches Süßungsmittel es sich handelt – werdet ihr auch weiter einen „Affen“ haben, ganz im Sinne von „Entzug“! Deshalb lieber mal abwarten und nach innen hören!

Jede und jeder Einzelne von euch entscheidet jeden Tag erneut für sich selbst, ob er oder sie „back to the roots“ und zu einer gesunden und natürlichen Selbstwahrnehmung finden möchte, um eines Tages wieder ein normales Verhältnis zur Nahrung zu haben. Wir können euch dabei lediglich an die Hand nehmen. Umsetzen müsst ihr es aber selbst.

Ganz liebe Grüße Umarmung Mia

7 Gedanken in “Süß, süßer, Sugar Rush!

  1. Als ich mich vor fast 8 Monaten auf dieses Experiment eingelassen habe, ja richtig, für mich war es anfangs ein Experiment, dachte ich nicht im geringsten an solche Resultate, die ich erreicht habe: Die Entwöhnung vom Zucker fiel mir relativ leicht, da dies ja meine Gesundheit erforderlich machte. Ein, zwei Wochen quälte mich der Affe, aber dann fing nach und nach das Geschmacksempfinden an sich zu Wandeln. Heute reicht mir ein süßer Apfel um mein Süßzentrum zu befriedigen.
    An diesem Wandel seid ihr 4 maßgeblich beteiligt, ich danke euch dafür und hoffe ihr könnt noch vielen anderen, wie mir, einen tollen Weg aus dem Dilemma weisen 😉

  2. Dani M. sagt:

    @apelinchen
    Ja, esse jetzt auch lieber nen Würstle/Käse als nen Riegel Schoki 😉

  3. Ja, ganz toll geschrieben. Hab erst letztens durch das Seminar bei Daniela (die ist hier auch 😉 ) gemerkt, wie toll es ist, und wie GUT es tut, weg von diesen dämlichen KH zu kommen… und man staune – mir war ein MON CHERIE (meine Lieblingsnascherei, meine allerallerliebste Lieblingsnascherei) zu SÜSS!… MIR!… bekennende Mon Cherieesserin *g*
    Und das innerhalb von zwei Wochen Zucker/Süssabstinenz. So schnell geht das nämlich, und es geht mir definitiv besser ohne Süss.
    Und wenn ich wieder mal einem Mon Cherie, oder zwei, oder drei nicht widerstehen kann… dann werd ich sie wieder essen… so in ca…. 6 Monaten oder so 🙂

  4. apelinchen sagt:

    Ich fand es echt heftig nach längerem nicht Essen einzig mal einen Apfel zu essen. Hab zuletzt die Birnen weggelegt, weil die sooooooooo süß waren. o_o Das war echt heftig. Merkt man wo die Züchtungen hingehen…
    Oder allein Gummibärlis etc., was wir früher immer mal so als Nachtisch gegessen haben – Zucker pur… *bäh* Und vor allem so künstlich…
    Mir geht es übrigens ähnlich wie Dani M., mich gelüstet mehr nach Herzhaftem – mich überfällt eine regelrechte Fleisch-Sucht… 😀

  5. Dani M. sagt:

    Super geschrieben Mia :-*
    Kann jedem nur raten es wirklich ohne „Süss“ mal zu probieren. Ihr werdet überrascht sein wie sich die Gelüste ändern. Mir dürstet es mittlerweile eher nach herzhafter Nahrung als nach Süssen. Vieles, besonders Zero/Light Getränke sind mir derweil sogar viel zu süss. Und wenn das Zuckeräffchen doch mal was Süsses zu knabbern bekommt, dann etwas gesünderes/lc haftiges.

    • Mia Schöbel sagt:

      Hey danke 🙂 Ich weiß genau, was du meinst, Ich war zwar immer eher der herzhafte Typ, aber bin trotzdem immer wieder erstaunt, wie sehr sich das Geschmacksempfinden immer noch anpasst.

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