Google+

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Glukose und Fruktose?

Mai 10, 2013 in Bio, Chemie & Wissenschaft, Ernährung von unseren Gästen

Posted by: Steffen

Häufig werde ich gefragt, was denn genau der Unterschied zwischen Glukose und Fruktose sei. Bei Fruktose handelt es sich um Fruchtzucker, also dem Zucker, welcher unser Obst so süß macht. Im Obst findet sich zwar auch Glukose, aber überwiegend Fruktose mit rund 65%, ein sehr wichtiger Aspekt, auf den ich später nochmals zurückkommen werde. Weiterhin ist Fruktose rund 2,5-mal so süß wie Glukose, welche im Volksmund auch als Traubenzucker bekannt ist.

ZuckerfruchtAufmerksame Leserinnen und Leser meiner Artikel weiß natürlich, dass es sich bei beiden um so genannte Einfachzucker oder auch Monosaccharide handelt. Das bedeutet, dass beide vom Körper nicht mehr in weitere Bestandteile zerlegt werden müssen, sondern direkt in den Blutkreislauf übergehen. Und genau hier beginnen die Unterschiede der beiden Zucker noch größer zu werden:

Während Glukose den Blutzuckerspiegel ansteigen lässt und so eine Insulinreaktion provoziert, bleibt diese bei Fruktose aus.

Um zu verstehen, was dies bedeutet, müssen wir nochmals kurz auf die Verstoffwechslung von Glukose schauen. Das Insulin schleust quasi den Blutzucker aus dem Blut in die Körperzellen hinein, wo dieser zur Energiegewinnung eingesetzt werden kann.

Gleichzeitig sorgt der steigende Insulinspiegel dafür, dass unsere Fettzellen vermehrt das Hormon Leptin produzieren. Leptin signalisiert dem Gehirn, dass man genug gegessen hat. Zudem aktiviert es den Sympathikus, d.h. es bewirkt eine Leistungssteigerung des Körpers und man verbrennt mehr Energie. Die höhere Energieverbrennung gekoppelt mit der geringeren Nahrungsaufnahme soll den Energiehaushalt des Körpers im Gleichgewicht halten.

Zuviel Insulin hemmt hingegen wieder die Produktion von Leptin. Aber das ist wieder ein anderes Themenfeld, auf welches ich ein anderes Mal eingehen möchte.

Nun zurück zur Fruktose. Warum bleibt bei Fruktose die Insulinreaktion nun aus, und damit auch die Produktion des Leptins? Die Erklärung liegt viele tausend Jahre zurück. Damals war Obst knapp und nur wenige Tage im Jahr verfügbar. Süßes Obst signalisierte kalorienreiche Nahrung, schnelle Energie und viele Vitamine. Unser Körper wollte sichergehen, dass wir diese auch aufnehmen und nicht liegen lassen. Und damit wir nicht nach dem ersten Apfel aufhörten zu futtern, setzte der Körper einfach mal das Sättigungsgefühl außer Kraft. Übrigens deuten Studien darauf hin, dass ein langfristig hoher Konsum von Fruktose zu einer Leptinresistenz führt. Das heißt, dass Leptin nicht mehr ein Sättigungsgefühl herbeiführt – egal welche Lebensmittel gegessen werden.

Nun aber weiter mit den Unterschieden. Während Glukose von allen Organen aufgenommen werden kann, wird Fruktose dagegen vom Körper nicht besonders gut absorbiert. Sie kann nach aktuellem Kenntnisstand nur zu 10% verwendet werden, der Rest landet in der Leber.

Und hier liegt ein weiteres großes Problem von Fruktose. Sie wird von der Leber wie ein Fett verarbeitet und nicht wie ein Kohlenhydrat. Das sieht man daran, dass Fruktose den Insulinspiegel nicht erhöht und dass Fruktose die Leber zur Fettproduktion und Fetteinlagerung angeregt. Eine weitere Substanz, die auf die gleiche Weise von der Leber verarbeitet wird, ist übrigens Alkohol. Und tatsächlich schädigt Fruktose die Leber auf die gleiche Art wie Alkohol es tut. Ein übermäßiger Konsum an Fruktose kann daher zur sogenannten Fettleber führen.

Fruktose fördert zudem die Produktion von Harnsäure. Ein hoher Wert an Harnsäure kann zu Bluthochdruck, Gicht und Übergewicht führen. Ein weiteres Problem ist, dass unsere Zellen bei der Verarbeitung von Fruktose außerordentlich viel ihrer eigenen Energiequellen (ATP) verbrauchen. Das wiederum veranlasst unsere Zellen Fett zu speichern. Werden unsere Zellen fett, werden wir fett und unsere Insulinresistenz steigt.

Zusammenfassend ist deutlich geworden, dass Fruktose unserem Körper massiv schadet. Es wurde früher in diabetischen Lebensmitteln eingesetzt. Wie wir eben gelernt haben, verstärkt dies jedoch die Krankheit. Ein Grund, warum ein Umdenken in dieser Hinsicht stattfand. Abschließend sei noch erwähnt, dass es hier nicht um die wenige Fruktose in unserer täglichen Obstration geht, sondern um industriell gefertigte, isolierte Fruktose. Meist als High-Fructose Corn Syrup (HFCS), ein Stoff der aus Mais hergestellt wird. Eine süße Mischung, die 55% Fruktose und 42% Glukose enthält.

HFCS ist auf Grund der subventionierten Maisproduktion sehr preiswert in der Herstellung und wird in einer Vielzahl von Produkten verarbeitet, in denen man dies nicht vermuten würde. Darunter Brot, Wurst, Fertiggerichte und ganz besonders Erfrischungsgetränke. Diese sollte man ebenso wie Fruchtsäfte (in größeren Mengen) meiden.

In diesem Sinne, bleibt gesund!

5 Gedanken in “Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Glukose und Fruktose?

  1. oxi39 sagt:

    So, und jetzt kommen wir zum ENS. Ich hasse Äpfel. Insbesondere, wenn sie mit Mehl/Backwaren in Verbindung kommen. Apfelstrudel ist für mich beispielsweise völlig ungenießbar, auch Apfelkuchen. Irgendwann habe ich gehört, dass es nicht auf den absoluten Fruktosegehalt ankommt, sondern auf den Fruktose-Überschuss, also das Delta zur Glukose. ist da was dran?

    • Ingo Paulsen sagt:

      Ja, das ist völlig richtig. Ich gehe davon aus, dass du mit „Delta“ die Differenz zwischen Glukose und Fruktose im natürlichen Verbund meinst.

      Fruktose kann zum einen durch erleichterte Diffusion über das Transportsystem namens GLUT 5 an der Bürstensaummembran innerhalb der Dünndarmschleimhaut in Enterocyten resorbiert werden. Zum anderen kann sie passiv im Verein mit anderen Stoffen wie Aminosäuren, Glukose oder Galaktose mitgeführt werden.

      Bei etwa einem Drittel der mitteleuropäischen Bevölkerung wird die Fruktose nur unzureichend oder gar nicht durch die Dünndarmwand aufgenommen (Fruktosemalabsorption). Die restliche Fruktose wird von den Bakterien im Dickdarm zu Gasen (Wasserstoff, Kohlendioxid, Methan) und kurzkettigen Fettsäuren abgebaut, was Durchfall, Flatulenz bis zu kolikartigen Schmerzen zur Folge haben kann. Besser lässt sich Fruktose vertragen, wenn sie mindestens im ausgeglichenen Verhältnis zu Glukose aufgenommen wird, da die Resorption der Fruktose im oberen Dünndarmabschnitt dadurch verbessert wird.

      Je nach Apfelsorte ist der Überschuss von Fruktose zu Glukose etwa doppelt bis dreimal so hoch (1:<0.5 bzw. 1:<0.33). Als Ausgleich wird da oft empfohlen, zusätzlich Glukose zu den Obstsorten mit höherem Fruktoseanteil zu essen. Ob das ein gesunde Alternative ist, ist zweifelhaft, da unnötig Zucker zugeführt wird.

      Besser wäre es einfach direkt zu anderen Obstsorten zu greifen, bei denen das Fruktose-Glukose-Verhältnis bereits natürlicherweise ausgeglichen ist (Süßkirsche, Banane, Kiwi, Stachelbeere, Apfelsine, Ananas) oder Glukose überwiegt (Aprikose, Pflaume, Mandarine).

  2. Ich habe schon vor einer ganzen Weile gehört, dass Diabetiker mit dem Obstgenuss ebenfalls vorsichtig umgehen sollten, da sich dies negativ auf den BZ auswirkt.
    Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass durch das Essen eines sehr süßen Apfels mein BZ durcheinanderkommt und ich mich nicht besonders gut fühle. Ich esse trotzdem hin und wieder etwas Obst, aber eher in Maßen.
    Dass sich aber die Begriffe wie Glukose und Fruktose immer öfter in die Zutatenlisten fertiger Lebensmittel schleichen finde ich sogar eine Frechheit. Das alte Mütterchen, dass ja so auf den Zucker achten muss, weiß oft nicht, dass es sich hierbei eben auch um Zucker handelt.

  3. Steffen Schalk sagt:

    Da müsstest Du schon Unmengen an Obst essen und das täglich. Wie ich im Text ja auch angeführt habe, ist es in der Evolution ja durchaus gewünscht, viel Obst zu essen, wenn es zur Verfügung steht (z.B. durch das Leptin). Dumm nur, dass unser Körper nicht damit rechnete, dass wir das Obst irgendwann mal in Unmengen und außerhalb der Saison im Supermarkt kaufen können.

  4. apelinchen sagt:

    Hast Du Infos’s, ab welcher Menge die natürliche Fruktose (also aus unserem Obst) solche schädlichen Effekte hat, Steffen?! Bzw. kann man so viel an Obst überhaupt futtern?!

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: