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Laborergebnisse im Netz – Datenschutz statt gläserner Patient

Juni 13, 2014 in Alternativen zum Hausarztwissen, In eigener Sache von Dr. Ingo Paulsen

Die jüngste Einführung der elektronischen Gesundheitskarte steht in harter Kritik, der Deutsche Ärztetag lehnt die Karte und die damit verbundene elektronische Patientenakte nach wie vor ab. Die Forderung nach Datenschutz und Datensicherheit ist durchaus berechtigt, Datenschützer kritisieren schon lange den Umgang mit sensiblen Patientendaten in Gesundheitseinrichtungen.

Umgang der kassenärztlichen und privatärztlichen Verrechnungsstellen mit Patientendaten

Vertragsärzte der gesetzlichen Krankenversicherung, Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten übermitteln schon seit Jahrzehnten sämtliche Abrechnungsdaten aller Patientinnen und Patienten an die kassenärztlichen Vereinigungen. Dies gilt für alle Diagnosen und sogar Verdachtsdiagnosen. Auch die Daten und Diagnosen der Privatversicherten werden in der Regel elektronisch gespeichert und an privatärztliche Verrechnungsstellen übermittelt. Die Versicherten selbst werden in der Regel nicht über diesen Datentransfer informiert.

Das große Problem einer Speicherung und Verwaltung großer Mengen medizinischer Daten über das Internet ist die einfache Verfügbarkeit, es stellt sich vor allem die Frage nach dem Zugriff von außen. Heute schon ist es für Betroffene von chronischen Erkrankungen problematisch bis unmöglich eine private Krankenversicherung abzuschließen. Ein Missbrauch dieser Daten – zum Beispiel wenn sie beim Arbeitgeber, anderen Versicherern, Banken oder Unternehmen landen – kann für Betroffene weitreichende Folgen haben.

Um so erstaunlicher ist es, wie viele Menschen trotz dieser Sicherheitsrisiken ihre sensiblen medizinischen Daten freiwillig und unbedarft in soziale Netzwerke hochladen, ohne das auch nur ansatzweise kritisch zu hinterfragen.

Datenkraken Facebook, Google & Co

Gerade auf Facebook gibt es immer mehr Selbsthilfegruppen für chronische oder ernährungsbedingte Erkrankungen, in denen Betroffene Rat und Hilfe austauschen. Diese Hilfe erstreckt sich – auch in unseren Facebook-Gruppen – auf die gegenseitige Unterstützung bei der Entschlüsselung komplizierter Laborberichte oder Befunde. Diese Vorgehensweise, die Bewertung von Laborberichten, Untersuchungsergebnissen oder Ernährungstagebüchern gibt uns als Berater, die auch der Schweigepflicht unterliegen, schon länger zu denken, ist doch der Datenschutz auf Facebook & Co immer wieder in der Kritik.

Wie sinnvoll ist es also, sensible Daten wie die eigene Krankengeschichte oder Laborberichte in Facebook-Selbsthilfegruppen hochzuladen, die auf diesem Weg sogar über die Landesgrenzen hinaus verfügbar gemacht werden? Selbst wenn persönliche Angaben unkenntlich gemacht werden, so können sie doch über den Account und die dazugehörige IP-Adresse problemlos den Personen zugeordnet werden. Auch in geschlossenen und geheimen Gruppen sind die Daten zwar vor neugierigen Blicken Dritter geschützt, jedoch haben die Betreiber der Social-Media-Plattform jederzeit Zugriff auf alle Inhalte und können diese auch jederzeit Dritten zugänglich machen. Eine Kontrolle über personenbezogenen Daten ist hier nie voll gegeben.

Datenschutz in unserer Community

Spätestens nachdem wir unsere eigene Facebook-Gruppe für alle geöffnet hatten, brauchte die Beratung und vor allem die Besprechung unserer Mappen ein neues Zuhause. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, zu diesem Zweck ein Forum abseits von Facebook & Co anzubieten, in dem absolute Klarheit über den Datenschutz besteht.

Wir empfehlen allen Mitgliedern unserer Community daher dringend, keine medizinischen Daten an Facebook oder andere soziale Netzwerke zu übermitteln! Die Beraterinnen und Berater unseres Teams stehen euch außerhalb dieser Netzwerke in unserem hauseigenen Forum nach wie vor bei der Erklärung eurer Arztberichte, sowie der Auswertung eurer Ernährungstagebücher zur Verfügung.

Die Verarbeitung eurer Daten geschieht nach deutschem Recht, sämtliche Informationen liegen auf deutschen Servern. Ihr erhaltet jederzeit ohne Angabe von Gründen kostenfrei Auskunft über eure bei uns gespeicherten Daten. Ihr könnt jederzeit eure bei uns erhobenen Daten sperren, berichtigen oder löschen lassen. Auch könnt ihr jederzeit die uns erteilte Einwilligung zur Datenerhebung und Verwendung ohne Angaben von Gründen widerrufen. Wir stehen euch jederzeit gern für weitergehende Fragen zu unseren Hinweisen zum Datenschutz und zur Verarbeitung eurer persönlichen Daten zur Verfügung.

Bitte denkt immer daran, dass große über das Internet gespeicherte Datenmengen auf Dauer nicht sicher zu schützen sein werden! Geht also sensibel und behutsam mit allen euren personenbezogenen Daten um!

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