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Top oder Flop – Seven Up and down

Januar 31, 2014 in Alternativen zum Hausarztwissen, Bio, Chemie & Wissenschaft von Dr. Ingo Paulsen

Svante Arrhenius 1909 - Wikimedia Commons

Svante Arrhenius 1909 – Wikimedia Commons

Der schwedische Physiker, Chemiker und Nobelpreisträger, Svante Arrhenius stellte 1887 das sogenannte Säure-Base-Konzept auf, das auf der Leitfähigkeit der Ionen beruht. Diese Leitfähigkeit basiert auf der Bildung von freibeweglichen, positiv geladenen Teilchen, den Kationen, und den negativ geladenen Teilchen, den Anionen. Für den Nachweis des reversiblen, also rückgängig zu machenden, Zerfalls einer Verbindung in Anionen und Kationen in einem Lösungsmittel erhielt Arrhenius 1903 den Nobelpreis für Chemie.

Nein, es geht nicht um Limonade! Es geht um den pH-Wert!

Der pH-Wert ist ein Maß für den sauren oder basischen Charakter einer wässrigen Lösung. Säuren sind alle Lösungen, deren pH-Wert unter 7, während ein pH-Wert über 7 die Basen auszeichnet. Der pH-Wert von 7 gilt als neutral.

pH-Scale - Wikimedia Commons PatríciaR

pH-Scale – Wikimedia Commons PatríciaR

pH steht für potentia Hydrogenii was so viel wie “die Fähigkeit des Wasserstoffs” bedeutet.

Dieser reversible Zerfall wird elektrolytische Dissoziation genannt, der Ausgleich von Anionen und Kationen in der wässrigen Lösung heißt hiernach Dissoziationsgleichgewicht. Das Gleichgewicht zwischen negativen und positiv geladenen Teilchen bestimmt daher den pH-Wert des Säure-Basen-Haushalts. Reagieren Säuren und Basen miteinander, neutralisieren sie sich gegenseitig, indem sie zu Salzen zerfallen.

Nach diesem ersten Konzept wurden noch weitere Säure-Basen-Konzepte aufgestellt. So zum Beispiel die Säure-Base-Definition nach Brønsted und Lowry, die bis heute verwendet wird und auf denselben Erkenntnissen wie die von Arrhenius beruht, allerdings Protonenübertragungsreaktionen ohne die Anwesenheit von Wasser mit einschließt.

Säure-Basen-Reaktionen nach Brønsted und Lowry sind Protonenübertragungsreaktionen, die nur auf wasserstoffhaltige Lösungsmittel beruhen. In wässrigen Lösungen unterscheiden sie sich nicht wesentlich von der Arrhenius-Definition. Brønsted-Lowry-Säuren werden als Protonendonatoren, Brønsted-Lowry-Basen als Protonenakzeptoren bezeichnet. Ein allgemeineres Säure-Base-Konzept wurde von Gilbert Newton Lewis entwickelt. Lewis-Säuren sind Teilchen, die unter Bildung einer kovalenten Bindung ein Elektronenpaar aufnehmen können (Elektronenpaarakzeptoren). Lewis-Basen sind Elektronenpaardonatoren, da sie ein freies Elektronenpaar besitzen, das zur Ausbildung einer kovalenten Bindung geeignet ist. Das Säure-Base-Konzept nach Lux und Flood definiert Säuren als Oxidionenakzeptoren, Basen als Oxidionendonatoren. Mit diesem Konzept werden protonenfreie Systeme beschrieben, bei denen Oxidionen und nicht Protonen als Reaktanten im Vordergrund stehen. Das HSAB-Konzept (Hard and Soft Acids and Bases) nach Pearson klassifiziert Lewis-Säuren und Lewis-Basen qualitativ. Es wird zwischen „harten“ und „weichen“ Säuren und Basen unterschieden. Reaktionen von harten Säuren und harten Basen und von weichen Säuren und weichen Basen führen zu stabileren Verbindungen als die Kombination hart-weich. Die Härte einer Säure nimmt mit abnehmender Größe, geringerer Polarisierbarkeit und zunehmender Ladung der Säureteilchen zu. Basen sind um so härter, je kleiner, weniger polarisierbar und schwerer oxidierbar die Basenteilchen sind.

Seven up and down: Was ist der Säure-Basen-Haushalt – Seite 1
Seven up and down: Stör mir nicht mein Gleichgewicht! – Seite 2
Seven up and down: Übersäuerung und basische Ernährung – Seite 3
Seven up and down: Basische Ernährung unter der Lupe – Seite 4
Seven up and down: Unser Fazit! – Seite 5


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5 Gedanken in “Top oder Flop – Seven Up and down

  1. heidrunschaller sagt:

    Ab und zu heißt es ja von Verfechtern der basischen Ernährung, dass diese notwendig sei, um den Körper davor zu schützen, dass er seine Kalziumvorräte in den Knochen erschöpft (Osteoporose), um den Blut-pH-Wert konstant zu halten. In dem Review hier wird ja gut erklärt, warum das nicht so ist.
    „The dietary acid load hypothesis also postulates that increasing the urinary excretion of phosphate, considered as an ‘acidic’ ion, enhances UCa and contributes to the loss and fragility of bones with ageing( 59 , 88 , 89 ). In sharp contrast with this hypothesis but in full agreement with physiological notions on the phosphate–Ca interaction( 90 ), analysis of twelve human studies indicated that higher phosphate intakes were associated with decreased UCa and improved Ca balance( 91 ).“

    Hier auf Seite 20:
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3828631/#!po=57.3529

    Ehrlich gesagt verstehe ich noch nicht, wie die Säure-Basen-Spezis darauf kommen, also welches Missverständnis dieser Auffassung zugrunde liegt. Ihr?

    • heidrunschaller sagt:

      Update: Wenn ich das richtig verstanden habe in dem von mir verlinkten Artikel, geht das auf eine Reihe von Versuchen an nierenkranken Patienten zurück.

      Die haben bei nierenkranken Patienten eine Azidose hervorgerufen und dann festgestellt, dass die Kalziumausscheidung über den Urin stark ansteigt. Daraus haben sie dann geschlossen, dass die Niere über diesen Weg Kalzium entsorgt, das aus den Knochen kommt (bzw. das der Körper aus den Knochen gelöst hat, um die Säure zu neutralisieren). Später stellte sich dann raus, dass es andersrum ist und dass die erhöhte Kalziumausscheidung die Tatsache kompensiert, dass aufgrund der Azidose die Wiederaufnahme von Kalzium über die Nieren gehemmt war. Dieser Verlust von Kalzium wurde dann bei diesen nierenkranken Patienten wahrscheinlich auch teilweise durch die Demineralisierung von Knochen ausgeglichen. (im Folgenden wird von den Verfassern glaube ich die Schlussfolgerung gezogen, dass letzteres nur bei schwer nierenkranken Patienten passiert und dass bei gesunden Menschen in Wirklichkeit eine solche Demineralisierung nicht stattfindet… aber vielleicht wisst ihr ja dazu noch mehr.)

  2. Dö Ris sagt:

    sehr interessant !

  3. Ingo Paulsen sagt:

    Danke für dein Feedback 🙂 Ja, bei einem so komplexen Thema kommt man schnell vom Hundertsten ins Tausendste, wir mussten einiges Kürzen. Mir war vor allem wichtig, auf kritischen Aspekte der „basischen Ernährung“ einzugehen und den in letzter Zeit etwas inflationär verwendeten Begriff des Säure-Basen-Haushaltes wissenschaftlich zu beleuchten. Welche Aspekte haben dir gefehlt? Vielleicht kann da ein ganz eigener Artikel daraus werden.

  4. Ahoy,

    sehr informativ. Hätte sogar noch ein wenig ausführlicher (bzw. mehr) sein können.

    besten Gruß

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